Von Karsten Mittelstädt

Dieser Beifahrer redet wenigstens nicht dazwischen ...
Puccini heißt das Skelett, mit dem Lehrrettungsassistent Volker Göckel
zu seinen Seminaren fährt. Puccini ist immer auf dem Beifahrersitz dabei.
Es sei denn, Göckel fährt mit dem Cabrio, dann kommt Puccini in den Kofferraum.
"Ich will die Autofahrer ja nicht ablenken", sagt er.
"Bloß keine Panik". Das bringt Volker Göckel den Müttern und Vätern als erstes bei. Der ausgebildete Lehrrettungsassistent schult Eltern in Kindergärten, damit sie richtig reagieren, wenn ihrem Kind etwas zustößt.
Mitte April war der Mann aus Wiehl beim Kindergartender Kreuzkirche (wir berichteten). Der Schulungsnachmittag kam so gut an, dass sich schnell weitere Kindergärten bei ihm meldeten. Montag abend war Göckel im Kindergarten Rappelkiste.
"Wenn dem Kind mal etwas passiert ist, ist das Allerwichtigste, Panik vermeiden". Mit zum Teil schwarzem Humor versucht er den Eltern die Angst vor solchen Augenblicken zu nehmen. Eine Mutter hat ihm nach einem Seminar angerufen und gesagt, dass ihr Spruch sehr geholfen hat: "Toter wie tot geht nicht. Mit solchen Sprüchen kann man eine Art Eigenschutz aufbauen."
Verbrennungen, Verbrühungen, Brüche, Blutungen, Pseudo-Krupp-Anfälle, Fieberkrämpfe oder Bewüßtlosigkeit. Mit solchen Situationen werden Eltern konfrontiert. An einem Skelett, das er "Puccini" nennt, demonstriert Göckel wie mit Brüchen umgegangen werden muß. "Ich kann in den Kursen keine kompletten Rettungssanitäter ausbilden. Ich möchte aber, dass die Teilnehmer am Ende etwas von der Schulung haben." Das scheint zu gelingen. Wie sagte eine Mutter nach dem Kurs im Kindergarten Kreuzkirche: "Man fühlt sich anschließend einfach sicherer."
Von Stephan Büllesbach

Der keine Jan-Philip (liegend) ist nicht verletzt, er dient Volker Göckel lediglich als
"Übungsobjekt" für die stabile Seitenlage. Die Eltern schauen interessiert zu.
Erst kommt plötzlich der Schreck, dann folgt Panik: Wenn ein Kind verunglückt oder plötzlich krank wird, wissen Erwachsene häufig nicht, was zu tun ist. Abhilfe schafft der Kindergarten der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kreuzkirche, der elf Mütter und einen Vater an vier Nachmittagen an die "Erste Hilfe am Kind" heranführt. Auftakt war gestern. Nach dem Erfolg dieses Kurses vor zwei Jahren entschied sich das Team um Leiterin Brigitte Karlguth für eine Wiederholung. Eventuell soll dieser Lehrgang nun jedes Jahr angeboten werden.
Klaudia Mause besucht den Kursus bereits zum zweiten Mal. Sie habe bei der Premiere vor zwei Jahren positive Erfahrungen gemacht: "Wir mussten ran", erinnert sie sich an die Übungen. Jetzt will sie das damals Erlernte auffrischen. "Man muss", sagt sie, "anders denken". Anders, als wenn ein Erwachsener verunglückt, dürfe man bei einem Kind nicht zuviel beatmen oder bei einer Herzmassage nicht zu feste drücken.
Was tun, wenn's ernst wird?
Erfahrungen, die Brigitte Karlguth bestätigen kann. Ein Loch im Kopf oder ein aufgeschürftes Knie - solche oder ähnliche Verletzungen sind im Kindergarten bekannt. Die Erzieherinnen wissen, wie sie in solchen Fällen verhalten müssen. Doch wie sieht das mit großen Unfällen aus? Oder was muss beispielsweise getan werden, wenn ein Kind ohne ersichtlichen Grund blau anläuft? Die Kindergartenleiterin, selbst Mutter von zwei inzwischen zehn und dreizehn Jahre alten Kindern, musste einmal eine negative Erfahrung machen: Ihr Kind bekam einen Fieberkrampf, sie selbst wusste nicht was zu tun war.
Wie bei der Premiere weist auch diesmal Volker Göckel aus Wiehl die Eltern in die "Erste Hilfe am Kind" ein. "Man muss den leuten die Angst vor dem Notfall nehmen, bemerkt er. Denn durch Panik oder Hektik ereiche man gar nichts. Dabei sei die Erste Hilfe relativ einfach. Göckel: "Logisches Denken ist wichtig, der Rest kommt von alleine."
Immer wieder trainieren
Wichtig sei, dass man das Erlernte immer wieder auffrische, meint der Trainer. [...] "Denn nicht jeden Tag hat man es mit Verletzten zu tun", weiß er.
Das ist die Motivation für die Eltern, an vier Dienstagnachmittagen die stabile Seitenlage, die Herz-Lungen-Wiederbelebung oder die Mund-zu-Mund-Beatmung zu lernen. Immer speziell ausgerichtet aufs Kind. Auch die Erzieherinnen nutzen die Gelegenheit, ihre Kenntnisse aufzufrischen. Sie müssen sich regelmäßig in Erster Hilfe unterweisen lassen.
Für Klaudia Mause hat sich der erste Lehrgang bereits ausgezahlt. Bei einer Verbrennung reagierte sie sofort: Die verbrannte Stelle hielt sie längere Zeit - etwa 20 Minuten - unter kaltes Wasser Das hatte sie zwei Jahre zuvor von Volker Göckel gelernt. So bewahrheitete sich, was Brigitte Karlguth gestern unterstrich: "Wenn man was darüber gehört hat, kann man was dagegen tun."

Zwischen den verschiedenen Vorführungen wurden die "Opfer" geschminkt.
Danach stand dann wieder beim "Tag der offenen Tür"
in der Gemeinschaftsgrundschule die "Erste-Hilfe" im Mittelpunkt.
(iba). Das Blut fließt in Strömen. Der zarte Kinderarm sieht schrecklich aus. Die zehnjährige Anna liegt mit schweren Verbrennungen auf dem Schulhof der Grundschule. Doch der Rettungswagen ist schon da, Lehrrettungsassistent Volker Göckel eilt mit dem großen Verbandskoffer herbei. Inzwischen hat sich um die kleine Anna eine riesige Menschentraube gebildet. Schaulustige? Nein, nein - alles Besucher des "Tages der offenen Tür" der Gemeinschaftsgrundschule in Hückeswagen. Und Anna ist Viertklässlerin, engagiert beim Projekt "Ersthelfer von Morgen" dabei. Ihr Arm? Nur Theaterschminke!
Seit Montag läuft die Projektwoche an der Schule an der Kölner Straße. Mit den verschiedensten Themen haben sich die Kleinen auseinandergesetzt: "Allerei mit Farben". "Vom Schaf zur Wolle", "Märchen" oder "Glasmalerei". Die vierte Klasse von Konrektorin Anneliese Noppenberger hat einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder belegt. Gestern waren die Eltern geladen, die Projektergebnisse ihres Nachwuchses zu bestaunen. Für alle war dies ein gelungener Abschluss der Projektwoche, denn auch das Wetter spielte mit.
Von Ludmilla Hauser

Auch Marco hatte eine Menge Spaß bei der Wiederbelebung von "Little Anne"
Schnell hat sich ein Kind den Fuß im Schwimmbad umgeknickt, das Knie beim Rollschuhlaufen aufgeschlagen oder den Arm beim Klettern geschrammt: Unfälle können in alltäglichsten Situationen passieren. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind bei der Anwendung der Ersten - Hilfe oftmals gehemmt. Die Angst davor etwas falsch zu machen, ist manchmal sehr groß. "Dabei", so Anneliese Noppenberger, Konrektorin der Gemeinschaftsgrundschule, "ist das Gefühl, dass jeder auch jüngeren Alters helfen kann, wichtig". Aus diesem Grund bot die Lehrerin in der vierten Klasse im Rahmen der Projektwoche einen Erste - Hilfe - Kursus an, der von Volker Göckel durchgeführt wurde.
"Nach den Osterferien steht die Radfahrprüfung ins Haus", erläutert die Konrektorin, "und nach den neusten Verordnungen muss die Prüfung im öffentlichen Verkehrsraum stattfinden. Da ist Erfahrung in Erster Hilfe bestimmt nicht verkehrt."
Wie bei "Baywatch"
"Du hast deine Lunge vergessen" machen 23 Stimmen die kleine Johanna darauf aufmerksam, dass sie nicht daran gedacht hatte, aus der Übungspuppe "Little Anne" die Plastiktüte herauszuziehen, die aus Hygienegründen bei der Mund-zu-Mund-Beatmung bei jedem Kind erneuert wird. Erfolgreich ist Johanna wie ihre Klassenkameraden bei der Wiederbelebung von "Little Anne". Ansprechen, Bewusstseinsüberprüfung, Pulsfühlen am Handgelenk und an den Schlagadern, den Oberkörper frei machen, zweimal beatmen, Herzkreislaufmassage und wieder beatmen - Sina bekommt dabei wie anderen einen roten Kopf. "Bei Baywatch im Fernsehen habe ich das auch mal gesehen; die haben das genauso gemacht", verkündet ein Mitschüler. "Ihr müsst euch überlegen ob ihr die Beatmung solange durchhaltet bis der Notarzt kommt", weiß Volker Göckel. Mit seiner unendlichen Ruhe beantwortet der Lehrrettungsassistent alle Fragen und wird nicht müde, Tipps und Erklärungen zu geben. " Ihr dürft euch niemals sagen, dass ihr das nicht schafft oder zu nervös seid" beschwört er.
Damit das Thema "Erste- Hilfe" nicht schon in ein paar Wochen vergessen ist, hat Anneliese Noppenberger für Ihre Schützlinge allerhand Informationsmaterial zusammengestellt. "Die Eltern haben selber ein kleines Handbuch angeschafft, das in die Hausapotheke passt", lobt sie die Unterstützung der Erwachsenen.
Dickes Lob für Kinder
Die Kinder sind begeistert vom Kursleiter. "Der erklärt das richtig gut", findet Dominique und wird von ihren Sitznachbarn Nico und Patrick unterschützt: "Der Volker ist total nett." Der gibt das Kompliment zurück: "Die Klasse verhält sich viel vernünftiger als so mancher Erwachsene."
Von Verena Johnke und Meike Tietz

Diese Woche war Premiere des Kurses in den Räumen des Kindergartens an der Kreuzkirche.
Vielleicht finden sich noch Nachahmer
Zum ersten Mal wird in der näheren Umgebung ein Kurs für "Erste - Hilfe am Kind" angeboten. Diese Woche begann im Kindergarten der Kreuzkirche der erste von vier Kursabschnitten.
Die Idee zu diesem Angebot kam der Leiterin des Kindergartens, Brigitte Karlguth, und ihrer Mitarbeiterin Doris Kranzmann. Es sei sinnvoll so etwas zu veranstalten, um der Wissbegier der Eltern nachzukommen. Viele Unfälle passieren im Haushalt, darum sei es wichtig zu wissen, wie man sich verhalten muss. Der Kurs, der voraussichtlich in den nächsten Jahren wiederholt wird, wird von 13 Teilnehmern besucht. Hauptsächlich Mütter von Kindern des Kindergartens und Mitglieder der Gemeinde wurden angesprochen. Während des Kurses wird auch eine Kinderbetreuung angeboten. Die Motivation der Teilnehmer sei zwar gut, allerdings wurde eigentlich noch mehr Interesse erwartet.
Volker Göckel, Lehrrettungsassistent und Leiter des Kurses: "Am Anfang wird das Grundwissen der Eltern getestet, eventuell aufgefrischt. Danach werden wir uns mit Infektionskrankheiten, Wiederbelebungsmaßnahmen, Brandverletzungen und anderen Notfällen auseinandersetzen. Außerdem versuche ich den Teilnehmern den gravierenden Unterschied zwischen der Behandlung von Kindern und Erwachsenen näherzubringen. Ich lasse die Leute selber arbeiten , damit sie auch wirklich etwas lernen. In Kindergärten ist das Interesse sehr groß."
Der erste Kurs in Hückeswagen ist nur ein Einstieg , die Anbieter setzten auf Mund-zu-Mund Propaganda.
Von L.H. - Bergische Morgenpost
Verwundert blickten gestern einige Eltern drein, als sie in den Pausenhof der Gemeinschaftsgrundschule kamen, um die Ergebnisse der Projektwoche zu bestaunen. "Ist was passiert?" fragte eine besorgte Mutter angesichts des Notarztwagens, der mitten auf dem Schulhof stand. Doch schnell erhellten sich die Mienen wieder, denn: "Das ist doch alles nur Schminke", klärte ein grinsender Knirps auf. Die Gruppe "Erste Hilfe" demonstrierte, was sie die Woche über von der gelernt hatte. Sie standen inmitten einer Menschentraube, die die hervorragend geschminkten Opfer bestaunten.
Aber auch sonst gab es beim "Nachmittag der offenen Tür" an der Kölner Straße einiges für Omas und Opas, Mamas und Papas und die Geschwister zu sehen und zu erleben. Mit Tips und Tricks für das Osterfest hatten sich gleich mehrere Projekte beschäftigt. Herrlich bunte Ostereier in allen Größen konnten die zahlreichen großen und kleinen Besucher bestaunen oder nach eigenen Ideen bemalen.
"Mama, jetzt hast du das Schönste schon verpasst", meinte ein kleines Mädchen zur Mutter. Dabei verkündete Rektor Rainer Wollenberg zusätzlich zu den bunten Hinweisplakaten durch die Lautsprecher die nächste Aktion oder Vorführung. "Ohne die Eltern wäre vieles gar nicht möglich gewesen", resümierte Konrektorin Anneliese Noppenberger, "allein schon die vielen Kuchenspenden waren wichtig. Da ist ein Kuchen schöner als der andere."
Zu "Halblehrerinnen, wie ein Schüler trefflich formulierte wurden einige Mütter, die sich halbstündlich bei der Aufsicht in den Ausstellungsräumen abwechselten. "Das ist natürlich alles auf freiwilliger Basis geschehen", hob die Konrektorin hervor. Aber die Mühe der Eltern sei sehr lobenswert. Den Verlauf mit einem Wort zu beschreiben, fiel da nicht schwer. "Prima", befand Anneliese Noppenberger. Und Lehrerin Frauke Albert meinte: "Der Erfolg sind an den Ergebnissen sichtbar."
Stolz waren die Projektleiter allemal auf das Geschick und die Motivation ihrer Kinder. ehrerin Jutta Alivesi: "Die haben sich mit dem Holzspielzeug so richtig ins Zeug gelegt." Das sahen auch die Eltern so und spendierten nach dieser gelungenen Projektwoche den Kindern ein großes Stück Kuchen in der Cafeteria.
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